29. Juli – Rantrum

Earthwitch's Blog

Endlich wieder unterwegs. Zugegeben: Es war nicht nur die Werkstattpause. Ich scheute mich auch ein bisschen vor dem Touristenstrom. Da immer noch Ferienzeit ist, verkrümele ich mich etwas mehr ins Binnenland. Autark möchte ich wegen der bisherigen Aussetzer meines Womos aber auch noch nicht stehen…

Also schau ich mal nach Rantrum. Hier hat die Gemeinde einen vorbildlichen Stellplatz am Schwimmbad eingerichtet. Zunächst finde ich die Zufahrt nicht, dabei stehe ich direkt davor: ein hoher Metallzaun mit großem Tor. Ich trau mich, mache auf und fahre hinein. Hier gibt es nichts zu meckern. Die Plätze sind ausreichend groß und ordentlich. Wegen meiner lauten Mitfahrer verkrümle ich mich wieder an den Rand des Geschehens…

IMG_2876 Rantrum – ruhig und sauber

Schon bald kommt die Platzwartin und erklärt mir alles. Das Schöne: die Nutzung des Schwimmbades ist in der niedrigen Stellgebühr enthalten. Sie zeigt den Neuankömmlingen die Örtlichkeiten. Als Betreiberin des Kiosks des kleinen…

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Mit dem 911er in die Turbo-Insolvenz

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Es hat alles so schön angefangen: Nach dem erfolgreichen fünfjährigen Besuch der Grundschule im Heimatland und darauf folgenden schweisstreibenden Jobs in der Gastronomie, wagte Stavros den Weg in die Selbständigkeit. Ein geeignetes Objekt war schnell gefunden und hatte, dank der günstigen Lage in einem Wohngebiet, auch bald einen größeren Kundenkreis. Der Rubel, Verzeihung – Euro, rollte.

Und wie so oft im Unternehmertum, vergisst man gern, das das, was da in der Kassenschublade liegt, nicht der Gewinn ist. Und ich möchte fast behaupten: ebenso oft ringt man das schlechte Gewissen nieder und schreibt höchstens die Hälfte des Betrages in das Kassenbuch (wenn denn eines geführt wird).

Die meisten ausländischen Kunden, die ich betreue, dürfen sich über die fleissige Mithilfe von Familienmitgliedern freuen. Da steht einer für den anderen ein. Bei Stavros lag der Fall ein wenig anders: da steht einer für alle anderen ein. Die Mithilfe der Brüder beschränkte sich auf ausgiebiges Dezimieren des Kassenbestandes.

Dank der bereits erwähnten guten Lage des Restaurants machte sich das nicht sofort schmerzlich bemerkbar. So wurden denn die Einnahmen zum großen Teil in fahrbare Untersätze umgesetzt. Und nicht nur die eigenen Einnahmen verlockten, auch der Autohändler um die Ecke machte blumige Versprechungen ob seiner zu erwartendenen Provision und finanzierte eine Firmenwagenflotte, die man eher bei anderen Gewerben vermuten möchte, jedoch nicht in der Gastronomie.

Nichts gegen gute schnelle Wagen. Ich liebe schöne Autos. Wer nicht? Und wenn man denn wirklich schon einen sein (fast) eigen nennen kann, wer würde sich ohne Weiteres wieder von ihm trennen?

Es kam, wie es jeder Aussenstehende schon ahnen musste: Zunächst wurden Finanzamt und Krankenkassen nicht mehr bezahlt, dann Lieferanten und Vermieter und schließlich galt auch für die Autofinanzierung „freie Ratenzahlung“ – Der Gläubiger darf raten, wann man zahlt.

Wenn auch bei Lieferanten Ausweichtaktik „Eins“ (ich kauf einfach woanders) angewendet werden kann, so geht das spätestens beim Finanzamt und beim Vermieter nicht. Ersteres sperrt das Konto, der Zweite Strom und Wasser.

Ein Restaurant, in dem die Gäste nicht mehr aufs Klo können, sollte sich das Getränkeausschenken verkneifen.

In so einer Situation gibt´s nur Eines: „Augen zu und durch!“ – Will heißen: Ran an die Gläubiger, verhandeln und versprechen.

Hört sich einfacher an, als es ist. Jeder, der schon einmal so richtig in einer finanziellen Notlage war, weiß wie sehr man sich zusammenreissen muss, um den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und wieviel Mut Gläubigergespräche kosten, obwohl diese meist sehr zugänglich sind, wenn man einigermaßen guten Willen zeigt.

Diesen Mut bringe daher i. d. R. ich für die Kunden auf. Wir setzten uns an einen Tisch und stellten realistische Zahlungspläne auf. Einzig der Autohändler weigerte sich, seine Luxusmodelle zurückzunehmen. Meiner Meinung nach hätte er die Wagen mit den vorliegenden Zahlen gar nicht finanzieren dürfen. Aber in Deutschland sind halt alle gleich und manche eben etwas gleicher.

Letztendlich stellten wir dem Händler die Autos doch noch vor die Tür, nur die Zahlungsverpflichtung leider nicht. Insgesamt sah die Sache für Stavros jetzt wieder ganz gut aus. Vermieter, Finanzamt, Kassen und auch die anderen Gläubiger waren sehr entgegenkommend. Eine Zeitlang jedenfalls.

Nun endlich wieder bar jeglichen Zahlungsdrucks verfiel Stavros auf die Idee, statt die vereinbarte Vermieterrate doch lieber wieder ein schönes Auto zu kaufen. Muss ja nun nicht unbedingt ganz neu sein. Hauptsache ein Flagschiff aus süddeutscher Produktion mit dem hormonbedingtem Zubehör wie dicke Reifen, Tiefbettfelgen und Doppelauspuff… (ja auch meinen Hormonen könnte das gefallen, da bin ich eben auch nur ein Mann).

Verständlicher Weise hatte diese Entscheidung einen unschönen Einfluss auf das Wohlwollen des Vermieters.

Außerdem hatten Stavros´ Brüder doch noch so einige Besorgungen zu machen und die Kasse erleichtert.

Mit seiner Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, kann Stavros leider nicht unter den griechischen Rettungsschirm flüchten. Und wenn er sich nicht endlich gegen seine einnehmenden Brüder wehrt und sich zunächst mit einem etwas handlicherem Wagen begnügen kann, dann ist die Insolvenz nicht mehr aufzuhalten. Ich fürchte fast, es wird so kommen. Manche versuchen es eben bis zuletzt und bekommen die Kurve nicht mehr. „Es ging doch so lange gut!“ höre ich oft, oder: „das Finanzamt hat nie was gesagt!“

Muss es auch nicht. Meist lässt das Finanzamt einen erst einmal in Ruhe und schaut sich dann die Zahlen an. Und hier sollte man unsere Finanzbeamten nicht unterschätzen. Sie sind ebenso findig, wie die Ermittler der derzeit so beliebten Gerichtsmediziner-Serien. Nur das sie eben nicht mit solch imposanter Technik arbeiten, mit atemberaubenden Decolletés zur Arbeit kommen und ständig einen Visagisten im Hintergrund haben. Unsere Finanzamtsprüfer arbeiten mit dem Instrument, dass viele mangels Nutzung kaum noch kennen: dem Hirn.